Leane Schäfer

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Auf die Suche nach Arkadien

 

Die italienische Künstlerin Monica Ferrando ist nach der Amerikanerin Mariella Bisson bereits der zweite Gast im “Offenen Atelier”, der sich dem Abenteuer eines Arbeitsaufenthaltes im Ruhrgebiet aussetzt. Auch diesmal ist es die erste Begegnung der Künstlerin mit dieser Region. Von Beginn an war sie begeistert von der Vielfalt der kulturellen Angebote, der Dichte und Intensität des Lebensraumes und nicht zuletzt von der Zugänglichkeit der Menschen.

Ausstellungbesuche in benachbarten Museen, Eröffnungen in der Gelsenkirchener Kulturszene, Atelierbesuche bei heimischen Künstlern, aber auch Operabende, Konzertaufführungen, Lesungen und Diskussionen gehörten zum Programm. Vielfältige Anregungen fand die Künstlerin bei Rundtouren durchs Ruhrgebiet. Mit dem Fahrrad durch den Park von Scloss Berge, zu Fuss auf die Halde mit dem Auto entlang an Rhein und Ruhr. Doch auch im Museum gab es Motive und Sujets für die Italienerin. Diverse Porträtstudien und Interieurs entstanden, die später viellecht zu Vorlagen für ein grosses Gemälde in Öl werden.

Landschaftszenen gehören zum bevorzugten Motiv der Künstlerin. Mitgebracht hatte sie eine Reihe von Lanschaften aus der Toskana und der Tuscia. Zehn Jahre lang lebte Monica Ferrando in der Südlichen Toskana, in Montepulciano, bevor sie vor vier Jahren in der Nähe von Rom umzog. Hier im Ruhrgebiet hat sie Skizzen direkt vor Ort gemacht, andere wurde im Atelier aus der Erinnerung gezeichnet oder zuende gebracht. Monica Ferrando geht es dabei um eine bestimmte Lichtsituation, das  Einfangen einer besonderen Stimmungslage.

So geht es auch beim grossen Ölgemälde “Schloss Berge -abends” um das Einfangen einer Grundstimmung, das Sichtbarmachen von Befindlichkeit. Gemalt wurde es nach einer realen Vorlage im Schlosspark Berge, wie die kleine Tuschenzeichnung belegt. Friedvoll, heiter und naturnah ist die Szenerie einer lagernden Figurengruppe in der Parklandschaft am See, ja eigentlich unwirklich. Sie erinnert an bukolische, an Hirtendichtung aus Arkadien. Arkadien, das in der Dichtkunst als Land der Einfachheit und Unschuld gepriesen wird, aber in Wiklichkeit eine unwegsame, waldreiche Gebirglandschaft auf dem griechischen Peloponnes war. Der Künstlerin kommt es keineswegs auf die nur schattenhafte sinnliche Erscheinung an, sondern auf das Urbild, das Eigentliche, Wesentliche, was sich dahinter verbirgt. Die höchste Idee ist, nach Platon, die des Guten, die mit der Schönen und Wahren identisch ist.

Monica Ferrando ist auf der Suche nach Arkadien fündig geworden. Mit dem “fremden” Blick hat sie im Ruhrgebiet die schönen Seiten, heitere Gelassenheit und das Überwinden schroffer Gegensätze zu harmonischer Einheit entdeckt. In malerischer Umsetzung entstanden eindrucksvolle Landschaftszenen, mythologish inspirierte Figurenbilder und einfühlsame Porträts. Mit nach Hause nehmen wird sie auch Kopf und Herz voller Eindrücke und sicherlich ein Menge noch “ungemalter” Bilder.

 

In:  Monica Ferrando – Die Suche nach Arkadien, Städtisches Museum Gelsenkirchen, 1998

  

In search of Arcadia

 

After ther American Mariella Bisson, the Italian artist Monica Ferrando has already been the second guest in the “open studio” who has experienced the adventure of a work stay in Ruhr Area.

This time, too, it was the first meeting between the artist and this region. Right from the beginning, she was enthusiastic about the variety of cultural events, the denseness and intensity of life here and last but not least about people’s approachability. Visits to museums in the vicinity, show openings in Gelsenkirchen’s cultural life and studio visits to local artists were part of the program, as well as opera performances, concerts, readings and discussions.

The artist got various inspirations by riding around the area: she cycled through Schloss Berge Park, she walked on that slagheap with the “Emscher View”, she climbed the Tetraeder, she drove along the Rhine and the Rurh. But there were also motifs and subject for the Italian in the museum itself – she did various portrait studies and interior views which may later become the draft for a big oil painting.

Landscapes are among the favourite subjects of the artist. She had brought with her a series of landscapes, showing the Toskana – and Tuscia- areas. For ten years, Monica Ferrando had lived in the south of the Toskana, in Montepulciano, before she moved in the Rome area. She did on-the-spot sketches in the Ruhr Area, others she drawed or finished from memory in the studio.

Doing this, it is important to Monica Ferrando to catch a certain incidence of light and to make a special atmosphere percepible.

This applies to the huge oil painting “Scloss Berge in the evening”, too: its original draft is a small ink drawing. The resting figures in the park are peaceful and serene, yet somehow unreal – it almost reminds you of bucolic, pastoral poetry from Arcadia. In poetry, this Arcadia is considered as a land of simplicity and innocence –  in reality  it was a rough and densely wooded mountainous region in the Greek Peloponnes.

The artist does not just want to make the only vague sensuous appearance obvious – it is the original, the essence that matters. According to Plato, the greatest idea is the idea of the good which is identical with the one of beauty and truth.

Monica Ferrando found that Arcadia. With the look of a stranger, she has discovered beautiful corners, calmness and opposites that go together here in the Ruhr Area. In painting, she converted this to impressive landscapes, mythologically inspired figures and sensitive portraits. Her head and her hearth full of impressions (and certainly full of yet unpainted works), she is going back to Italy.

 

In:  Monica Ferrando – Die Suche nach Arkadien, Städtisches Museum Gelsenkirchen, 1998